Ferne Gedankenwelt Kapitel 7

Ich habe Euch lange nicht mehr ein Kapitel zu meiner Geschichte geschrieben, ständig kam etwas dazwischen. Heute kommt Kapitel 7. Viel Spaß

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Kapitel 7

Ich konnte mir nicht erklären, was mit meiner Mutter an diesem Tag los war. Moms Auto sah ich lange nach, auch als es schon hinter der nächsten Kurve verschwunden war. Zu sehr war ich in meinen Gedanken vertieft. Mir tippte jemand leicht auf die Schulter. Langsam drehte ich mich um und schaute in das strahlende Gesicht von Hope. Stürmisch umarmte sie mich. Ich war etwas überrumpelt. Völlig durcheinander, legte ich ihr vorsichtig meine Hand auf ihren Rücken. Sie hakte sich bei mir unter und gemeinsam schlugen wir den Weg zum Schulgebäude ein. Hope plauderte fröhlich, wie es ihr ging und was sie am vorigen Tag gemacht hat. Ich hörte ihr nur mit halben Ohr zu, bis meine Gedanken komplett abgeschweift waren und ich Hope nicht mehr wahrnahm.
Während wir durch die Flure gingen, driftete ich immer mehr ab. Dauernd dachte ich darüber nach, was ich am Vortag erlebt hatte und konnte es immer noch nicht realisieren. Für mich erschien das alles unwirklich.
"Jo?" fragte mich Hope. "Ist alles ok? Du wirkst so abweisend. Was ist los?" Für einen kurzen Moment rang ich mit dem Gedanken ihr alles zu erzählen, aber diesen verschlug ich schnell wieder. Ich täuschte ein kleines Husten vor, um mir mit der Antwort noch ein wenig Zeit zu lassen. "Nichts... Es ist nichts", sagte ich, aber die Pause die ich ließ, verriet mich, das nicht alles in Ordnung war. "Wenn du es nicht erzählen willst, versteh ich das, aber wenn du jemanden zum Reden brauchst..."; Hope hielt inne und schaute mich an. Ich erwiderte ihren Blick und gab ihr mit einem kurzen Nicken zu verstehen, dass ich auf ihr Angebot zurückgreifen werde. Damit war für mich das Gespräch beendet und ich ging schnell weiter, ohne darauf zu achten, ob Hope mir folgt. Aber das soll mir ganz Recht sein. Ich wollte einfach allein sein.
Die Blicke der anderen mied ich. Ich wusste nicht wohin mich meine Füße trugen. Mir erschein es wie eine Ewigkeit. Stimmengewirr und vereinzeltes Lachen schwirrte zu mir hinüber, aber auch dem schenkte ich wenig Beachtung. Ich lief immer weiter, als wüssten meine Beine, wo ich hin wollte, obwohl ich kein Ziel vor Augen hatte. Bis heute weiß ich nicht, an wie viele Türen, Räume und Menschen vorbei lief. Mit der Zeit wurden es immer weniger Schüler, die auf den Fluren umherflitzen oder sich fröhlich gestimmt unterhielten. Irgendwann begegnete ich keinen mehr.
Später fand ich mich auf der Mädchentoilette wieder, die wahrscheinlich weniger benutzt wurde. Auch hier waren die Wände grau und mit vielen Kritzeleien beschmiert. Ich ging zu den Spiegel, an denen man kaum noch sein Gesicht erkennen konnte. Die waren nicht nur beschmiert, sondern auch zerkratzt und vereinzelt eingeschlagen. Ich ging zum äußersten Spiegel, bei dem man noch ein wenig von seiner Urgestalt sehen konnte. Meine Arme stützte ich auf dem Rand des Waschbeckens. Den Wasserhahn öffnete ich. Ein kleiner Rinnsal Wasser lief heraus. Meine Haare strich ich zurück und band sie in meinem Nacken zum leichten Knoten. Meine Hände zu einer Schale geformt, ließ ich das Wasser in diese laufen und spritzte es mir ins Gesicht. Das Wasser war kühl und sehr angenehm. Wieder und wieder kühlte ich mein Gesicht mit dem Wasser. Die Hände im Nacken verschränkt, schaute ich in den Spiegel. Ich wollte mich abwenden und zum Unterricht gehen, da fiel mir eine Schrift am unteren Rand des Spiegels auf. In klaren großen Buchstaben stand dort der gleiche Satz wie ich ihn am Vormittag im Bad gesehen habe. Langsam drehte ich mich um, aber hinter mir war keiner. Wieder fiel mein Blick auf den Satz. 'Das gestern war erst der Anfang'.
Dieses Mal verspürte ich allerdings keine Angst, sondern Wut. Ich warf die Arme wütend in die Luft und rief: "Was verdammt noch mal willst du von mir? Was soll das? Zeige dich!" Es blieb still. Natürlich, ich war ja auch allein. Niemand zeigte sich. Ich kam mir lächerlich vor. Kopfschüttelnd nahm ich meine Tasche, warf einen letzten Blick auf die Schrift. Wieder dachte ich, ich habe mir selber einen Streich gespielt, aber dieses Mal stand der Satz immer noch da. Schnell drehte ich mich um und der nächste Schrecken überkam mich. Vor einer Kabine stand jemand und kam direkt auf mich zu. Ich wich einige Schritte zurück, die Tasche fest an die Brust gepresst. Ich konnte nicht weiter. Mein Rücken stieß an die Wand. Ich musste den im Hals entstandenen Kloß hinunterschlucken.
Der Mann ging auf mich zu. Sein Gesicht war verdeckt, genau wie das Wesen am Vorabend.  Nur noch wenige Meter trennten uns. Ich schaute nach rechts und überlegte, wie ich ihn abhängen konnte. Als er direkt vor mir stand, spürte ich seinen Atem auf meinem Gesicht und ich musste würgen. Schnell tauchte ich unter seinem Arm. Der Mann machte keine Anstalten mich aufzuhalten, denn das brauchte er auch nicht. Auf der anderen Seite erwartete mich ein weiterer Mann. Sein Gesicht lag ebenfalls im Schatten. Er hatte breite Schultern und um einiges größer als ich. Ich wollte schreien, aber ehe ich es mich versah, holte er seine Hand aus und gab mir einen Schlag. Ein gequälter Schrei entwich mir. Meine Tasche fiel zu Boden und ich stürzte auf die Fliesen und verlor sofort das Bewusstsein.



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Schön, dass du ein paar liebe Worte dagelassen hast, ich freue mich sehr darüber <3

Alles Liebe, Caterina

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